Eine Reihe von Widerstandskämpfern während des Faschismus waren ehemalige Schüler und Lehrer der Rütli-Schule:
- Hanno GÜNTHER
- Hildegard JADAMOWITZ
- Bruno LINDTNER
- Hans-Georg MANNABERG
- Dagmar PETERSEN
- Emmerich SCHAPER
- Bernhard SIKORSKI
- Werner STEINBRINK
Hierbei handelt es sich nur um eine Aufzählung derjenigen, die vom Volksgerichtshof zum Tode oder zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt wurden bzw. sich in der Strafkompanie 999 "bewähren" mussten – was einem Todesurteil gleichkam, dem nur wenige entgehen konnten. Ungenannt bleiben all diejenigen, die bis zum Ende des Nationalsozialismus unerkannt illegale antifaschistische Arbeit leisteten. Viele Ehemalige erinnern sich noch an weitere Namen von Widerstandskämpfern oder waren selbst in Widerstandsgruppen tätig.
Die Ursachen für die verstärkte Bereitschaft zur Widerstandsarbeit – gerade von ehemaligen Rütli-Schülern – sind sicher sowohl in deren Elternhaus als auch in der Erziehungsarbeit der Schule zu suchen.
Im Schulprotokollbuch wird am 19. Mai 1930 über die Zusammensetzung der Elternschaft vermerkt: Die Eltern unserer Schule gehören zum größten Teil der Arbeiterschaft an, wozu ein kleiner Prozentsatz fortschrittlicher Intellektueller kommt. Sie sind fast durchweg in politischen und gewerkschaftlichen Verbänden organisiert und in ihnen zum größten Teil als Funktionäre tätig. Daraus resultiert eine bewußte politische Haltung, die bei den radikaler eingestellten Eltern durchaus nicht staatsbejahend ist. Die Feststellungen gründen sich auf unsere Beobachtungen in zahlreichen Elternversammlungen und Elternausschußsitzungen. Dabei ist nicht zu verkennen, daß pädagogische Fragen und Probleme der inneren Ausgestaltung unserer Schule mit lebhaftem Interesse diskutiert werden. Die kritische Haltung kommt vor allem bei der Diskussion schulpolitischer Fragen zum Ausdruck. Selbstverständlich ist, daß unsere Kinder bei der politisch bewußten Haltung der Eltern viel früher und viel intensiver von politischen Gedankengängen bewegt werden als die Kinder anderer Schulen."
Maria MENZEL, die Mutter von Hanno GÜNTHER, war aktives Mitglied des Elternbeirates und selbst Lehrerin von Beruf. Sie beschreibt in ihrem Lebenslauf die Rütli-Schule als "... eine weltliche Volksschule, die es sich wie wohl keine zweite in Berlin angelegen sein ließ, antifaschistischen Geist in der Jugend zu wecken und zu pflegen." Eine weitere Einschätzung gibt sie in ihren Erinnerungen an den Prozeß gegen ihren Sohn und dessen Kampfgefährten: "Voller Wut sagte der Vorsitzende an dieser Stelle zu den Zeugenaussagen eines Vaters: 'Ich möchte nun keine Loblieder über die Rütli-Schule mehr hören!' Er hatte recht mit seinem Zorn, und nichts und niemand soll uns jetzt mehr hindern, das Lob der Rütli-Schule zu künden. Sie ist es, die diese heilige Saat in die jungen Seelen gelegt hat, die sie stark machte, zu ihrer guten Sache zu stehen bis zum bitteren Ende."
Der letzte Brief von Hanno Günther an seine Mutter
"Liebe Mutter!
Wenn Du diesen Brief erhältst, lebe ich nicht mehr auf dieser Welt. Ich hoffe und wünsche von ganzem Herzen, daß Du diese Nachricht ruhig und gefaßt aufnimmst, wie ich heute mittag die Mitteilung von meiner heute abend zu vollziehenden Hinrichtung entgegennahm. Sei überzeugt, daß ich bin zum letzten Augenblick mich in der Gewalt haben werde, und ich erwarte fest, daß auch Du nicht und niemals verzweifeln wirst, was auch kommen mag.
Du schriebst einmal, wir zwei bilden eigentlich eine Einheit, und dies ist auch mein unverbrüchlicher Glaube: Diese Verbundenheit kann nun auf Ewigkeit nicht mehr getrennt werden. Bei unverdorbenen Völkern herrscht der schöne Glaube, daß man nach seinem Tode in den Schoß der Mutter zurückkehrt; dies habe ich – wenn auch im übertragenen Sinne – zu meinem Glauben gemacht. Denn sieh, wenn es eine überirdische Macht gibt, so sind wir doch alle nur Ausdrucksformen Gottes. Mit unserem Tode vereinigen wir uns wieder mit dem Ursprung, der eine früher, der andere später. So sich auch wir von nun ab wieder untrennbar vereint. Wir haben alle hier auf Erden eine Aufgabe zu erfüllen, und meine Aufgabe ist nun erfüllt. Ich komme zu Dir zurück.
Dir aber wünsche ich, daß dir noch in einem recht langen Leben viel Gutes und Schönes beschert werde, daß Du Dir Deinen Lebensmut und Deine Lebensfreude nie rauben läßt, und daß Du dereinst genauso ruhig und zuversichtlich den unvermeidbaren Gestaltwechsel vollbringst, wie ich ihn zu vollbringen hoffe.
Herzlichste Grüße an Dich, Paul und alle Verwandte und Bekannte, besonders auch an Daggi, auf immer von
Eurem Hanno"
Die Broschüre der Gedenkstätte Deutscher Widerstand liefert ebenfalls Informationen zu den Gruppen um Hanno Günther und Bruno Baum.
