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Die Anfänge der Schule in der Rütlistraße

Die Gründung der Schule
Das rapide Anwachsen der Bevölkerung zur Jahrhundertwende im ehemaligen Rixdorf (eine Verzehnfachung innerhalb von dreißig Jahren) führt zu der Notwendigkeit des Baus der 31. und 32. Gemeindeschule, der heutigen Rütli- und Heinrich-Heine-Schule. Der Bau wird im Frühjahr 1908 begonnen, zum 7. Oktober 1909 fertiggestellt und als Mädchen- und Jungenschule eröffnet.

Reformschule
Während des ersten Weltkriegs dient das Gebäude als Kaserne, die Schule ist ausgelagert und wird erst am 21. Januar 1920 renoviert wieder von Schülern bezogen.

Die Schulen entwickeln sich zu Reformschulen, so genannten "weltlichen Schulen" (ohne Religionsunterricht), von denen wichtige pädagogische Impulse ausgehen.

Hier arbeiten Adolf Jensen, Fritz Hoffmann, Casparius und Wittbrodt, die die pädagogische Arbeit Fritz Karsens beeinflussen. Fritz Hoffmann baut nach dem 2. Weltkrieg die Fritz-Karsen-Schule in Britz auf.

Die Rütli-Schule wird Lebensgemeinschaftsschule. 1921 besuchen 1400 Schüler die 31. Schule, das bedeutet einen Klassendurchschnitt von 50 Schülern. Das Interesse an dieser Schulform ist immens. Es werden Arbeitsgemeinschaften in Stenographie, Esperanto und Englisch eingerichtet. Werkstattarbeit tritt in den Vordergrund nach Ideen von W. Paulsen.

Im April 1923 wird die Umwandlung der Schule in eine weltlich Gemeinschaftsschule bestätigt. Stundenpläne fallen fort. Die Arbeit orientiert sich an den Bedürfnissen der Gemeinschaft, Arbeitsgemeinschaften entstehen. Die schöpferische Arbeit der Hand und des Geistes steht im Vordergrund. Schüler- und Elternausschüsse werden gebildet, die Einfluss auf die Schularbeit nehmen.

Jungen und Mädchen werden gemeinsam unterrichtet. Verstärkt können Jugendliche die Aufbauschule von Fritz Karsen besuchen.

Der Alltag wird durch Schulfeiern geprägt. Die Rütli-Schule wird zu einer der bekanntesten Reformvolksschule Berlins.

Eine ehemalige Schülerin schreibt:
"Es war ein kind- und nicht stoffbezogener Unterricht, und neben dem deutschkundlichen Unterricht gab es Musik, Zeichen- und Werkunterricht, rhythmische Gymnastik und wöchentliche Wanderungen. Der Aufsatz stand im Mittelpunkt und man hoffte, die Ausdruckskraft der Schüler zu entwickeln, indem man von ihrem eigenen Erleben ausging. Die Lehrer kooperierten mit den Eltern, und meine Eltern wurden in den Elternausschuss gewählt."

Erna Nelki in: Eine stumme Generation berichtet. Hg.: G. Dischner, Frankfurt am Main: 1982, S. 32.


Zu den Lehrern der Rütli-Schule gehörte auch der Schriftsteller Erich Arendt. Nachdem er ein Lehrerseminar besucht hatte, unterrichtete er bis 1933 – dann flüchtete er vor den Nationalsozialisten in die Schweiz. Von dort aus ging er nach Spanien und kämpfte 1936-1939 für die Verteidigung der spanischen Republik. Nach der Verhaftung 1940 und einer weiteren Flucht nach Südamerika kehrte er erst 1950 nach Deutschland (in die DDR) zurück. 1985 starb er.

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